29 Dezember Dienstag / Richard teilte mir mit daß / Grete die Hypothek her / geben würde. 1 ~Uhr~ 25 holten / wir Fräulein Erlenmeier / ab, die bis 5 hier war sehr / netter liebenswürdiger / Mensch, leider ohne / allgemeine °ku° Kutur. / Nur im speziellen interessant / Brachten sie dann zur / Bahn. Darauf Besuch / bei Landauers. Erst / Frau Landauer allein / Sehr nette Frau. Dispute / mit ihr über Drama und / Lyrik. Dann kam Landauer / Wir sprachen auch mit / ihm über Rudolf Klein / er °s° war wenn auch freundschaftlich / gemildert der allgemein / abfälligen Ansicht über / ihn Snob Affe ect. / Ich verteidigte ihn darauf / hin von seiner Seite Liebens- / würdigkeiten geplante / später Einladung. / Landauer gefällt mir / vorläufig sehr habe auch / noch nichts von seinem / verschwommnen Idealis- / mus ~den man ihm nachsagt~ bemerken können / Bin neugirig wann / wir einmal auf sein / Stekenpferd die stille / Anarchie Revolution ect. / °bringen° ~kommen~ werden. / Briefe bekommen von Nauen, / der mich bat ihm einen / Besuchstag angeben zu / °ko° wollen von Mistres / Roller die leider für / Donnerstag absagen mußte / da krank, von °Mo° Käufer / von Lump ein Entschuldigungs- / schreiben daß er nicht gekauft / von Arthur Stein ein Neujahrs / wunsch. Von Landauer / seine Novellen geschenkt / erhalten und Mombert und / sein Buch Revolution geborgt
Richard ... Grete ... Hypothek: Richard Beckmann hatte auch den Bau des Wohnhauses an der Hermsdorfer Ringstraße beaufsichtigt, während sich Beckmann mit Minna in Florenz aufhielt. Die Schwester Margarethe (Grete) Zech wurde geben, für die Hypothek zu bürgen bzw. diese zu übernehmen, vgl. Eintrag vom 07.01.1909
Fräulein Erlenmeyer: Tilly Erlenmeyer erteilte Minna Beckmann-Tube Gesangsunterricht, vgl. Erinnerungen an Max Beckmann, S. 171 und S. 184.
Landauers: Hedwig Lachmann und Gustav Landauer wohnten in der Kaiserstraße, ebenfalls in Hermsdorf.
Rudolf Klein: Unterhaltung über den Kunsthistoriker Rudolf Klein-Diepold.
Landauer ... Stekenpferd: Werke Landauers zu dieser Thematik „Die Revolution“, s. u.
Nauen: Brief von Heinrich Nauen nicht ermittelt. Nauen war eine:r der Künstler:innen, die an der Gründung einer neuen Secession interessiert waren. Er war Mitglied der Berliner Secession und im Vorstand des Deutschen Künstlerbundes.
Mistres Roller: Henrietta „Nettie“ Roller, vgl. Eintrag vom 26.12.1908.
Käufer von Lump: Max Beckmanns Hund Lump sollte verkauft werden, vgl. Eintrag vom 10.01.1909 und vgl. „Atelier-Interieur mit Lump“, MB-G 102.
Arthur Stein: Person und Brief nicht ermittelt.
Landauer ... Novellen: Gustav Landauer schenkte Max Beckmann vermutl. die erste Auflage von „Macht und Mächte. Novellen“ von 1903. In Max Beckmanns Bibliothek ist kein Exemplar des Buches erhalten.
sein Buch Revolution: Beckmann lieh sich von Landauer dessen Essay „Die Revolution“ aus, der 1907 erstmals erschienen war.
Mombert: Nicht ermitteltes Werk von Alfred Mombert. In Max Beckmanns Bibliothek ist kein Werk Momberts erhalten.
Minna Beckmann-Tube: Erinnerungen an Max Beckmann. In: Max Beckmann. Frühe Tagebücher 1903/04 und 1912/13. Herausgegeben und kommentiert von Doris Schmidt. München/Zürich 1985, S. 171 und S. 184;
Technische Angaben: unliniert, gebunden in helles Leinen
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1908, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv