4. Apr 19094. April 1909
Dieser Eintrag enthält mehrere Abbildungen:

<Freitag d. 4.4.09> / Morgens bei Cassirer er war / sehr liebens würdig und hatte / wirklich etwas da was ich / illustriren sollte. Ein Buch / in Versen von einem Herrn Dr. / Gutmann. Mink und ich / haben ihm nämlich in Verdacht / daß er irgend Wind von den / Revolutionsplänen bekommen und / nun sich an mich °in° heran- / machen möchte. Ich halte / das auch immer noch für / möglich. °Sc° Morgen Nachmittag / bat er möchte ich mich entscheiden. / Hatte erst wenig Lust dazu. / War dann noch bei Kolbe / mit dem ich dann über / die Salon d‘Automnesache / sprach. Er war sehr begeistert! / Und gern bereit mitzumachen. / Auf dem Rückwege las / ich dann in dem Manuscri°b°pt / von Gutmann und fand / daß es nicht schlecht und / etwas daraus zu machen / sei. Entschloß mich also / es zu machen. Mink / las es auch und war zuerst / auch etwas abgeneigt und / dann auch dafür. Nachmittag / hatte ich weibliches Modell / Das Messina macht mir / momentan Schwirigkeiten. / Es zerfällt jetzt etwas und / ist bischen bunt. Bin n[...] / ob ich es fertig bek[...] / Mein Interesse ist je[...] / noch groß. Heute [...] / mit dir ehrbares T[...] / es schließt mit eine[...] / und man hat, es ist em[...] / Abendessen, gerade is[...] / Na ich denke man wird s[...] / versöhnen wie so oft [...] / eben die Steine sind / im Rollen bin neugirig wohin / sie rollen. Lump stinkt. ich / bin abgespannt die glänzenden Lichter / d. Daseins gehen mich nicht viel an!

Durch große Fehlstelle am re. Seitenrand zahlreiche Wörter unleserlich bzw. fehlend.
Cassirer ... illustriren ... Gutmann: es handelte sich um die Illustrationen zu: Johannes Guthmanns „Eurydikes Wiederkehr. In drei Gesängen“. Gedruckt bei Oscar Brandstätter, Leipzig 1909. Drittes Werk der Pan-Presse. Vgl. Hofmaier 7-16. Vgl. Christiane Zeiller: Der junge Beckmann und die „Firma C.“. Der Illustrationsauftrag zu ‚Eurydikes Wiederkehr‘. In: Ein Fest der Künste. Paul Cassirer, der Kunsthändler als Verleger, Hg. Rahel E. Feilchenfeldt, München 2006, S. 139-150.
Mink ... haben ihm im Verdacht ... Revolutionsplänen: Minna Beckmann-Tube und Max Beckmann hatten Cassirer in Verdacht, dass er von Beckmanns Plänen für eine neue Künstlervereinigung mitbekommen hatte, die von Cassirers Berliner Secession unabhängig sein sollte. Sie mutmaßten, er versuche Beckmann durch den Illustrationsauftrag quasi auf seine Seite zu ziehen.
Kolbe: Georg Kolbe.
Salon d‘Automnesache: Max Beckmann nahm mit sechs Werken an der Gruppenausstellung „Société du Salon d’Automne. 7. Expo­sition. Groupe Allemand“ teil, die vom 01.10.1909 bis 08.11.1909 im Grand Palais in Paris stattfand. Vgl. Eintrag vom 03.04.1909. Georg Kolbe beteiligte sich ebenfalls ander Gruppenausstellung.
Messina: Arbeit an dem Gemälde „Szene aus dem Untergang von Messina“, MB-G 106.
Lump: Der Hund von Minna und Max Beckmanns.

  • MB-G 106
  • MB-D 007
  • MB-D 008
  • MB-D 009
  • MB-D 010
  • MB-D 011
  • MB-D 012
  • MB-D 013
  • MB-D 014
  • MB-D 015
  • MB-D 016

Technische Angaben: unliniert, gebunden in helles Leinen
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1909, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1909/3448