Donnerstag d. 16. / Januar. Hamburg / War bei Gabril / Schilling. Wirklich / recht gut. Hätte / das nicht gedacht. / Bin dann an der / dunklen Newa hätte / ich fast gesagt / Alster zu Fuß / nach Haus. An / dem niedrigen Ufer / mit den schwarzen / Büschen dahinter / die zugefrorene / Alster und in / weiter Ferne die / langen geraden / Lichterreihen der / Laternen. Müde / und etwas ver- / zagt am Leben. / Nur der kupfer- / rote Himmel / mit den stechend / gelben Lichtern / und die sausende / Schnellbahn / mit dem grünen / Rauch war schön. / Und der Gedanke / an Deine Schön- / heit und Milde / Was ist denn ein / großer Künstler. / Ach so mis. / Wir ziehen Kraft / aus unserer Schwäche / meint Hauptmann / Man arbeitet da doch / mich schäbigster / Unterbilanz- / Mittelweg / 151. II / Frau Sauber / Notizen für Dienstag / Tieffenbach anklingeln / °Engelmann° / °Schule° / Rößler? / Nachmittags / Scheffler. / Mittwoch / Schule / Blankenese / Lühe. / Alte Parks / Bauersche Park
Gabril Schilling: „Gabriel Schillings Flucht“, Drama von Gerhard Hauptmann, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, vgl. Frühe Tagebücher, S. 151, Anm. 29.
Newa: Strom in Russland.
meint Hauptmann: Mit Gerhart Hauptmann war Max Beckmann persönlich bekannt, vgl. Max Beckmann. Frühe Tagebücher 1903/04 und 1912/13. Hg. und kommentiert von Doris Schmidt. München/Zürich 1985, S. 151, Anm. 31. Evtl. zitiert er hier also direkt einen Ausspruch des Schriftstellers.
Mittelweg: Anschrift in Hamburg-Rotherbaum, vermutl. von Frau Sauber .
Frau Sauber: Gertrud Simms war eine geborene Sauber, evtl. handelt es sich um eine Verwandte von ihr, nicht ermittelt.
Tieffenbach: Eduard W. Tieffenbach.
Engelmann: Person nicht ermittelt.
Schule: Die Notiz betrifft nicht Hamburg, sondern Berlin, vgl. Max Beckmann. Frühe Tagebücher 1903/04 und 1912/13. Hg. und kommentiert von Doris Schmidt. München/Zürich 1985, S. 152, Anm. 34: „Das Wichtigste ist die Notiz für Mittwoch: ‚Schule‘. Vermutlich handelt es sich um die Schule Steglitzer Straße aus dem Inserat im Katalog der 24. Ausstellung der Berliner Secession 1912 und im Katalog der 24. Ausstellung der Berliner Secession 1913, in dem es heißt: ‚Korrektur: Max Beckmann‘. Anfragen um Aufnahme waren zu richten an das Atelier Clara E. Fischer, Potsdamer Straße 121a. Dort unterrichtete laut Inserat, mit anderen Mitgliedern der Secession, auch der Maler Wilhelm Giese.“
Lühe: Die Lühe ist ein Tidefluss der Elbe und gleichzeitig ein Ausflugsgebiet im Alten Land bei Hamburg.
Bauersche Park: Baurs Park am Nordufer der Elbe in Blankenese, eine Anlage aus dem 19. Jahrhundert.