<Dienstag d. 12. Juni 43> / Abends bei Ölsen, wo es – / etwas elegant muffig und / ängstlich langweilig war. / Er sizt noch immer in Erwartung / Hörten <erste Nachrichten> aus / <Deutschland> und vom Selbstmord / Simolins durch Gift beim Einfall / d. K. Z. Leute aus Dachau. / Franke lebt u. die Bilder – recht / traurig alles. Nachm. viel / gefitzt am Kattenburg
Ölsen: Vermutl. waren Max und Mathilde Q. Beckmann bei Hugo Oelze. Er wohnte in der Herengracht 623. Mathilde Q. Beckmann notierte am 12.06.1945 in ihrer Agenda: „Abends bei Olse Hübsches Milieu u. Haus.“
Selbstmord Simolins durch Gift beim Einfall d. K. Z. Leute aus Dachau: Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrem Tagebuch die Nachricht vom Suizid Rudolf von Simolins: „Ein Holländer kam vorige Woche aus Starnberg, mit einem Brief von Franke dem es gut d.h. einigermaßen gut geht. Rudo lebt nicht mehr – – wieder ein Freund weniger von uns – der Unglückliche hat Selbstmord begangen als eine Horde von K.Z.lern in sein Haus drang plünderte u. ihn in ein Zimmer sperrte Welch schauerliches Schiksal – – es hat uns sehr tief leid getan.“ Am 30. April 1945 war ein Zug mit Häftlingen aus dem Konzentrationslagers Mühldorf, einem Außenlager von Dachau, in Seeshaupt stehen geblieben und die Häftlinge von amerikanischen Truppen befreit worden. Ob im Schloss Seeseiten am Starnberger See, dem Familiensitz Simolins, Plünderungen stattgefunden haben und, sofern dies der Fall war, in einem Zusammenhang mit Simolins Suizid stehen, ist nicht belegt. Der Brief von Günther Franke ist nicht ermittelt. Er könnte vermutl. von dem niederländischen Maler Simon Smits überbracht worden sein, den Günther Franke in seinem Haus in Seeshaupt aufgenommen hatte und der es vor Plünderungen bewahrt hatte. Vgl. Felix Billeter: Kunsthändler, Sammler, Stifter. Günther Franke als Vermittler moderner Kunst in München 1923–1976. Berlin/Boston 2017, S. 390, Anm. 30.