14. Sep 194514. September 1945

Freit. 13. ~14.~ Sept. 45 A / Es regnet – September / Lütjens 200 + 100 / (Zahnartzt ect) … friedliche / Stimmung. Trotz / Geld kastration 10 Gulden / pro Woche von Staats - / wegen ab. 26. Sept. / T’ja – und sonst / es regnet 1. Herbstregen / und des Nachts °sind° in / ist d. Rokin wieder hell / und ich dachte an mich / als Kind in Leipzig / wenn ich mit Lixer auf / die nächtlich erleuchteten / Straßen sah – der / Frieden wächst wehe dem / der Frieden birgt –

Korrigiertes Datum.
Lütjens: Helmuth Lütjens.
Geld kastration 10 Gulden pro Woche von Staats - wegen ab. 26. Sept.: Per Regierungsbeschluss wurde festgelegt, dass nur 10 Gulden wöchentlich vom Konto abgehoben werden durften.
Lixer: Freund von Max Beckmann aus Kindertagen. Er ist dargestellt auf „Skizze zweier Kinder an einem Fenster“, MB-SKB 21, 34r, bez. unten: „Die Kinder / Lixer und ich“, sowie auf „Kinder am Fenster“, MB-D 237.
Nachts ist d. Rokin wieder hell: Es gab wieder elektrische Straßenbeleuchtung.
der Frieden wächst wehe dem der Frieden birgt: Abwandlung des Titels eines Gedichts von Friedrich Nietzsche, „Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt!“, Dionysos-Dithyramben aus „Also sprach Zarathustra“. In Max Beckmanns Bibliothek befand sich ein Exemplar des Buches.

Max Beckmanns Bibliothek, Max Beckmann Archiv: Friedrich Nietzsche: „Also sprach Zarathustra“, C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1906

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1945, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1945/2810