21. Jul 194621. Juli 1946

21. Juli Sonntag / „Viel Geschrei u. wenig Wolle“ / sagte am Abend der kleine / Wüstling. Furchtbar viel Tee / getrunken und noch ein paar / hundert Mal meinen / Namen geschrieben. Ausicht / auf die Amstel durch die / dunklen Fenster war sehr / [Zeichnung: Skizze eines liegenden Frauenakts] amüsant und neuartig / und einige Borljes im / Farantella erhöhten / die Festfreude. Noch / <am Leidscheplein.> / Morgens viele Briefe nach D. / via Berggrün

„Viel Geschrei u. wenig Wolle“: Von Max Beckmann häufiger genutzte Redewendung, etwa: Viel Lärm um Nichts. Sie geht auf eine Volkserzählung zurück, in der der Teufel vergeblich versucht, eine Sau zu scheren, vgl. Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Darmstadt 2001, S. 539–541.
Farnatella: Tarantella, Café.
Leidscheplein: Leidseplein.
Borljes: nl borreltjes, Schnäpschen.
Briefe nach D. via Berggrün: Briefe an Minna Beckmann-Tube und Peter Beckmann vom 21.07.1946. Die Briefe überbrachte Heinz Berggruen, vgl. Eintrag vom 09.07.1946.

Max Beckmann Briefe. Herausgegeben von Klaus Gallwitz, Uwe M. Schneede und Stephan von Wiese unter Mitarbeit von Barbara Golz. Band III: 1937–1950. Bearbeitet von Klaus Gallwitz unter Mitarbeit von Ursula Harter. München/Zürich 1996, Nr. 778 und Nr. 779

Zeichnung: vorhanden
Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1946, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1946/538