10. Sep 194710. September 1947
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Mittwoch 10. Sept. New York / Auf d. holländischen Consulat wo Q / gut arbeitete vorher im wunderbaren / Centralpark in dampfender Sonne / sehr heiß. Später mit Jane zum / Lunch sehr nett und dann Besichtigung / vom Tryptic im New Artmuseum / wo ich mich selbst tief bewegte und / sonst viel peinliches u. einen herrlichen / Rouseau auch Cecanne (Löwe u. Beduine) / zu Fuß in d. Hitze u. etwas ärgerlich / weil Q einige Faupas gemacht hatte – / aber schließlich egal. – Mein Gott mit / was für Mist muß man sich rum- / schlagen zu seinen Lebzeiten nachher / kommt Berger – / Alles in Allem scheints aber ganz / gut zu gehen. Bin also froh, daß / die Paßgeschichte scheints gut geht. / Berger war blaß u. melancholisch / und nicht arrivirt, was bei seiner störrischen / wenn auch symphatischen Constitution / nicht zu verwundern ist. – Nach 2 / Chin fiz zog er hinkend u. betrübt / wieder ab – Q. u. ich aßen dann in / einem „billigen“ französischen Lokal / allein zur Nacht, dann aber war es / teuer wie alle vorher. Q. schreibt da / unten immer noch ihre ewigen Hedda- / briefe und es ist unendlich heiß und so / furchtbar viel Menschen laufen hier herum / daß man sich vollkommen überflüssig / vorkommt. – Na ich bin neugierig ob / ich diesen wüsten Traum aushalten / werde. – Wenn es nur nicht so heiß wäre / und die Menschen etwas zartere Nerven / hätten – aber im Centralpark heute / morgen war es schön. –

holländischen Consulat: Wegen ihrer Aufenthaltsgenehmigung suchten Mathilde Q. und Max Beckmann das Konsulat der Niederlande in New York auf.
Q: Mathilde Q. Beckmann.
Jane: Jane Sabersky.
Tryptic im New Artmuseum: „Departure“, MB-G 412, im Museum of Modern Art in New York.
Rouseau ... (Löwe und Beduine): Henri Rousseau „The Sleeping Gypsy“, 1897, Museum of Modern Art New York, Inv.-Nr. 646.1939.
Cecanne: Paul Cézanne.
Faupas: Fauxpas.
Berger ... nicht arrivirt: Ludwig Berger hatte in den USA nicht mehr Fuß fassen können. Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrer Agenda: „Um 5 Ludwig Berger der reizend wie immer war, nur zu schade u. unbegreiflich warum er keinen Succes hat.“
Chin fiz: Gin Fizz.
in einem „billigen“ französischen Lokal: Nicht ermittelt.
Heddabriefe: Brief von Mathilde Q. Beckmann an Hedda Schoonderbeek vom 11.09.1947, erhalten im Max Beckmann Archiv.

  • MB-G 412

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 10.09.1947. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1947, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1947/1763