4. Okt 19474. Oktober 1947

Sonnab. 4. Okt. 37. Chase Hotel / <St. Louis> / Fühlte mich früh ziemlich mäßig / müdes Herz u. so trotzdem Bad Dusche / Kafé ect. im Omnibus zur Schule / wo Barker ziemlich der erste u. einzige / war. Allerlei Ateliervorbereitungen. / Barker hatte mir meine Rahmen auf- / gespannt auch der = Stuhl – war da / die Toilette ebenfalls (the Kay). Morgens / in d. Früh durch ein Gewitter geweckt wurde / es nachher doch wieder sonnig u heiß. – Im / Oktober?! I. Mit d. elektrischen zur Wohnung wo noch nicht‘s °sehr° los war aber Drewes / Wohnung inspiziert der in einem Seitenflügel / hauste. v. d. ^ ähnlich in d. meisten Dingen. / Auf d. Rückfahrt (geluncht an d. Ecke Spagetti) / überfiel mich die zweite Pille. Ich schwitzte am / Kinghiway ächzend fluchend in heißer Sonne – na / Plaza rettete mich. Im Voyer ausruhend erschien / traumhaft elegant Miß Knight und ich mußte mein / armen Körper zur eleganter Verbeugung zwingen / bis i hope to see you ect... trotzdem gespenster / hafte ja ja ... Q. fand ich dann im Hotel vor / und dann wurde geschlafen. Netter Brief aus / Berlin von Ehmsen u. sonst – weiter träumen –

4. Okt. 37: Irrtümliche Jahresangabe. Es handelte sich um den 04.10.1947.
Chase Hotel: Chase Park Plaza Hotel.
müdes Herz: Vermutl. Herzbeschwerden. Max Beckmann litt unter Angina Pectoris.
mit Omnibus zur Schule: Vom Chase Park Plaza Hotel bis zur School of Fine Arts war es zu weit, um zu Fuß zu laufen. Die Fakultätswohnung am Millbrook Boulevard, heute Forest Park Parkway, die Mathilde Q. und Max Beckmann am 08.10.1947 bezogen, lag dagegen auf dem Campus der Washington University.
Ateliervorbereitungen: Max Beckmanns Atelier befand sich in der Washington University School of Fine Arts in Bixby Hall.
Barker: Walter Barker.
Rahmen aufgespannt: Laut Gespräch Erhard Göpels mit Walter Barker spannte dieser ca. fünf Bilder auf, vgl. Handexemplar Tagebücher 1940–1950 Erhard Göpel.
the Kay: Vermutl. en the key, Schlüssel. Der Schlüssel zu der neuen Wohnung bzw. zum Atelier.
mit d. elektrischen: Straßenbahn.
Wohnung: Max Beckmanns Dienstwohnung in 6916 Millbrook Boulevard, heute Forest Park Parkway.
Drewes Wohnung ... Seitenflügel hauste v. d.^ ähnlich in d. meisten Dingen: Werner Drewes wohnte ebenfalls in einer der Fakultätswohnungen, 6922 Millbrook Boulevard (heute Forest Park Parkway), Apt. 213, vgl. WU Telephone Directory 1947/48. Werner Drewes’ Wohnung bzw. dessen Einrichtung erinnerte Max Beckmann an jene von Friedrich Vordemberge-Gildewart in Amsterdam.
geluncht an d. Ecke Spagetti: Vermutl. aß Max Beckmann an diesem Tag das erste Mal in seinem späteren Stammlokal Yacovelli’s Restaurant, das sich in einem Eckgebäude am North Bend Boulevard und heutigen Forest Park Parkway befand, vgl. http://collections.mohistory.org/resource/1016765.
zweite Pille: Medikament, vermutl. gegen Herzbeschwerden.
Kinghiway ... Plaza: Am Kingshighway Boulevard liegt das Chase Park Plaza Hotel.
Voyer: Foyer.
Miß Knight: Andrea Knight.
i hope to see you: en ich hoffe, Sie zu sehen.
Q.: Mathilde Q. Beckmann.
Brief aus Berlin von Ehmsen: Brief von Heinrich Ehmsen, nicht ermittelt. Ehmsen wollte Max Beckmann an die Hochschule der Bildenden Künste Berlin berufen. Vgl. Brief an Minna Beckmann-Tube, Max Beckmann Briefe III: „Berlin will mich auch haben – Dauercorespondenz mit Hofer und Ehnsen!?!?“ Vgl. Einträge vom 02.12.1947 und 11.02.1948.

Washington University Telephone Directory 1947/48, Digitalisat Julian Edison Department of Special Collections, Washington University Libraries, St. Louis, S. 209;Max Beckmann Briefe. Herausgegeben von Klaus Gallwitz, Uwe M. Schneede und Stephan von Wiese unter Mitarbeit von Barbara Golz. Band III: 1937–1950. Bearbeitet von Klaus Gallwitz unter Mitarbeit von Ursula Harter. München/Zürich 1996, Nr. 854

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1947, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1947/2047