23. Sep 194723. September 1947
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Dienstag 23. Sept. / Chesehotel / First Day of the Scool –!! / Voller Grausen m. Q. hin / gefahren im Taxi und! / recht angenehme Enttäuschung / ein wirklich hübsches Bild von / zum teil sehr hübschen Mädchen / und Junges. Die Erstaufführung / interpretirt v. Herr Dean Hudson / (honor we have für Mister Beckmann) / recht nett – auch die Bilder / möglich und [Zeichnung: weiblicher Kopf frontal] wie gesagt [?] / ganz amüsant vieleicht / sogar schön. – Selbst d. Atelier gefiel / mir besser u. Mr. Barker Jungleiter / recht symphatisch nervös. Q. hat gut / vorgelesen u d. Vortrag wurde ge- / wünscht zum Weiterdruck. / Im übrigen bin u. bleibe ich der ewige / alte Esel, der aber nicht die Absicht / hat – sich aus d. Concept bringen / zu lassen. – Dean zeigte uns / dann noch Amtswohnungen die / auch garnicht so schlecht waren und / fuhr u noch im Auto in’s Chase / wo er Drinks erhielt – / Nachmittags erholte mich ein / Coctaileinbruch von Johnson / und Dewes. – Na ja baltische / Kunstgelehrter Enthusiast / evt. Drews – – – – / um ½ 7 Uhr hinaus geworfen / vorher noch d. lächerliche Interviw / gelesen – o no – sah mich / alt u. traurig in Sunday Dispach [?] / na ja – – – / Abends im Jefferson zu Abend / gegessen. Nicht erfreulich und / sehr müde aber sehr guten / gebratenen Lobster u eine / erkältete Quappi – / Wetter sehr angenehm / Gute Nacht – es wird sich / nicht viel ändern – Aber / mal sehen –

Chesehotel: Chase Park Plaza Hotel.
First Day of the Scool: en Erster Schultag. Max Beckmanns hatte seinen ersten Unterrichtstag an der Washington University School of Fine Arts in Bixby Hall.
Q.: Mathilde Q. Beckmann.
Mädchen und Junges: Jungens. Laut Mathilde Q. Beckmann besuchten in jenem Schuljahr 20 Student:innen Max Beckmanns Malklasse, von denen die meisten vorher von Philipp Guston unterrichtet worden waren. Während dessen Europaaufenthaltes vertrat Max Beckmann seine Stelle. Vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda.
Erstaufführung: Mathilde Q. Beckmann verlas Max Beckmanns Ansprache an seine erste Malklasse, Manuskript nicht ermittelt. Am 28.10.1947 erwähnte Beckmann erneut einen Vortrag vor den Student:innen, vgl. Eintrag vom 28.10.1947.
Herr Dean Hudson: Kenneth E. Hudson.
honor we have für Mister Beckmann: en wir haben die Ehre, Herr Beckmann.
[Zeichnung: weiblicher Kopf frontal]: Person nicht identifiziert, vermutl. eine von Max Beckmanns Studentinnen.
Atelier: Max Beckmanns künftiges Atelier befand sich in der Washington University School of Fine Arts in Bixby Hall.
Mr. Barker Jungleiter: Max Beckmanns erste Begegnung mit Walter Barker, seinem künftigen studentischen Assistenten.
Q. hat gut vorgelesen …Weiterdruck: Der Verbleib des Manuskriptes zu der Ansprache, die Mathilde Q. Beckmann an diesem Tag vortrug, wie auch der hier erwähnte „Weiterdruck“ sind nicht ermittelt. Mathilde Q. Beckmann publizierte den Vortrag in Mein Leben mit Max Beckmann.
Amtswohnungen: Für die Lehrenden der Washington University und deren Angehörige standen Wohnungen auf dem Campus zur Verfügung (Faculty Housing), so auch die künftige Wohnung von Mathilde Q. und Max Beckmann am Millbrook Boulevard, heute Forest Park Parkway.
Chase: Bar oder Restaurant im Chase Park Plaza Hotel.
Johnson ... baltische Kunstgelehrter: Horst W. Janson war aus St. Petersburg gebürtig, die Eltern stammten aus Skandinavien.
Dewes/Drews: Werner Drewes.
das lächerliche Interviw: Vermutl. bezieht sich Max Beckmann auf das einen Tag zuvor im Tagebuch erwähnte Interview, vgl. Eintrag vom 22.09.1947.
Sunday Dispach: Vgl. den anonym veröffentlichen Artikel „Artist Who Fled from the Nazis Begins Teaching at Washington U.“, abgedruckt mit einem Porträtfoto Beckmanns im St. Louis Post-Dispatch.
im Jefferson ... gegessen: Restaurant im New Jefferson Hotel. Über das Lokal im Hotel und die Lage vgl. Handexemplar Tagebücher 1940–1950 Erhard Göpel: „Jefferson-Hotel gegenüber St. Louis Post-Dispatch Dining hall 19. Century Victorian Dekor (jetzt modern)“.
Lobster: en Hummer.

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 23.09.1947. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Mathilde Q. Beckmann: Mein Leben mit Max Beckmann. München/Zürich 1983, S. 236f.;Handexemplar von Erhard Göpel mit Annotationen: Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950. Zusammengestellt von Mathilde Q. Beckmann. Herausgegeben von Erhard Göpel. München 1955, S. 211, Max Beckmann Archiv;Anonym: Artist Who Fled from the Nazis Begins Teaching at Washington U. In: St. Louis Post-Dispatch, 23.09.1947

Zeichnung: vorhanden
Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1947, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1947/2094