23. Dez 194723. Dezember 1947

Dienst. 2°4°3. Dec. Millbrook / um 10 Uhr Zeichnungsverkauf / an „Modell“ 20 $ ha ha / vielleicht bekomme ich auch die / 80 anderen. Glaubs aber nicht / Dann kam d. Herr vom / Stepenscollege mit / ganz komischer Frau und / überhaupt komischen Dingen / wegen Lecture. Vieleicht / gehe ich hin – – – / Nachm. z. Hause vorher / noch in Clyton wegen / Chek u Whisky für brother in law / Abends im Jeffersson gegessen / Einblick in amerikanisches / Familienfest. Ein guter / Apachentanz – – –

Millbrook: 6919 Millbrook Boulevard, heute Forest Park Parkway, die Adresse von Max Beckmanns Dienstwohnung.
Zeichnungsverkauf an „Modell“ 20 $ … Glaubs aber nicht: Max Beckmann verkaufte eine Zeichnung für 100 Dollar an eine junge, nicht ermittelte Frau. Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrer Agenda: „Um 10 im Atelier kam ein junges Mädchen Modell u. kaufte für ihren boyfriend, (Conway Schüler) eine Beckmann-Zeichnung für 100 $ auf Abzahlung, wie rührend und begeistert oft die Jugend hier ist!“ Die Anzahlung betrug 20 Dollar. Mit seinem Zweifel, die restlichen Raten zu erhalten, behielt Max Beckmann recht. Vgl. Mathilde Q. Beckmanns Anmerkungen in Tagebücher 1940–1950 und Eintrag vom 21.12.1947.
Herr vom Stepenscollege mit ... Frau: Pierre Montminy, vermutl. mit seiner Frau Tracy.
wegen Lecture: Pierre Montminy wollte Max Beckmann für einen Vortrag am Stephens College in Columbia gewinnen, den dieser dort am 03.02.1948 unter dem Titel „Drei Briefe an eine Malerin“ („Three Letters to a Woman Painter“) von Mathilde Q. Beckmann verlesen ließ, vgl. Einträge vom 27.12.1947 und 03.02.1948. Auf dem handschriftlichen Entwurf des Vortrags ist der ursprüngliche Titel „Drei Briefe an eine Schülerin“ noch zu erkennen. „Schülerin“ wurde durchgestrichen und durch „Malerin“ ersetzt.
Clyton: Clayton, westlich von St. Louis gelegene Gemeinde in Missouri, heute Stadtteil.
Chek u Whisky für brother in law: en brother-in-law, Schwager. Max Beckmann holte einen Scheck von der Bank und besorgte Whisky für seinen Schwager Tom MacFergus Cooper.
Jeffersson: Bar oder Restaurant im New Jefferson Hotel.
amerikanisches Familienfest: Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrer Agenda: „Abends gingen wir in’s Jefferson zum Essen (sehr gut!) und dann kam eine Kindershow erstaunlich gut aber es hat was Künstliches.“
Apachentanz: Im Club Continental des New Jefferson Hotel wurde von der Gruppe The Appletons ein Apachentanz aufgeführt, ein Motiv, das Max Beckmann bereits Jahre zuvor zu seinem Gemälde „Apachentanz“, MB-G 495, angeregt hatte, vgl. St. Louis Post-Dispatch.

  • MB-G 495

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 23.12.1947. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950. Zusammengestellt von Mathilde Q. Beckmann. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Erhard Göpel. Mit einem Vorwort von Friedhelm W. Fischer. München/Zürich (durchgesehene Neuausgabe) 1987, S. 450;Veranstaltungsprogramm in: St. Louis Post-Dispatch, 23.12.1947;Max Beckmann: Letters to a Woman Painter. In: College Art Journal 9, 1949, S. 39–43;Drei Briefe an eine Malerin, Manuskript des Vortrags, Max Beckmann Archiv

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1947, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1947/2136