[CLEAR] / Etwas stiller Tag aber / ganz angenehm. In der leeren / „Scool“ lud Dean u. Conway / für morgen Abend zum Whisky / Abschied. Nach Nachmittags- / schlaf saß plötzlich die schwangere / Rettel mit Riesenboy embrio / da und grinste den „verschlafenen“ an / Wollte aber nur geliehene Möbel / abholen u ich gab ihr Curtbrief / in dem Morton May Kauf v. Aktress / und einiges über Pery drin stand. / Ich ging dann Haare schneiden / und Stiftzahn zum zweiten Mal / einsetzen. Alles ganz glatt. – Später / noch großer Spaziergang Euklid Delmar / mit stark amerikanischer Melancholie / und feuchter Sonne. – Zu Hause / gabs Mexikanisches Kalbsragout / u Q. war bei „Sunjaleben“ zum Abschied / „Wen hoch im Engadin“ / geschmückte Puppen Foxtrott tanzen“ / später noch Curt angerufen der Typusspritze hatte. [re. Rand, 90 Grad gedreht:] ankomme Mittwoch 8 Uhr, mitgeteilt. Ist bereits gierig auf die neuen Bilder.
leeren „Scool“: Max Beckmanns Atelier in der Washington University School of Fine Arts in Bixby Hall war leergeräumt, da seine Bilder am Vortag abgeholt worden waren. Auch wegen des Wochenendes waren kaum Student:innen in Bixby Hall.
Dean u. Conway für morgen Abend: Verabredung mit Kenneth E. Hudson und Fred Conway für den folgenden Tag, vgl. Eintrag vom 30.05.1948.
schwangere Rettel mit Riesenboy embrio: Euretta „Rettles“ Rathbone war zu diesem Zeitpunkt schwanger mit Eliza (* 1948) und kam in Begleitung ihres kleinen Sohnes Peter (* 1946).
geliehene Möbel abholen: Mathilde Q. und Max Beckmann mussten die Dienstwohnung am Millbrook Boulevard räumen, vgl. Einträge vom 28.05.1948 und 30.05.1948.
Curtbrief in dem Morton May Kauf v. Aktress ... über Pery: en actress, Schauspielerin. Brief von Curt Valentin, nicht ermittelt. In dem Schreiben ging es u. a. um Morton D. Mays Ankauf des Gemäldes „Zwei Schauspielerinnen bei der Garderobe“, MB-G 728 (1948 bei Curt Valentin erworben), sowie um Perry T. Rathbone. Vgl. Eintrag vom 20.05.1948.
Euklid: Euclid Avenue.
Delmar: Delmar Boulevard.
Curt: Curt Valentin.
Q. war bei Sunjaleben: Mathilde Q. Beckmann hatte Zunia Henry zum Abschied besucht. Vgl. Eintrag vom 06.10.1948, auch dort verwendete Max Beckmann den Ausdruck „Sunjaleben“. Im Jiddischen kann man nach einem Namen die Suffix „-lebn“ hinzufügen, es bedeutet „liebe/r“. Vermutl. hat Jules Henry seine Frau, die jüdische Wurzeln hat, so genannt und Beckmann hat diesen Begriff übernommen (freundlicher Hinweis von Efrat Gal-Ed).