20. Aug 194820. August 1948

Amsterdam / 26 / Der Umzug ist so weit / gediehen, daß nur eine / Schreibplatte mit Buchtisch möglich ist. / Viel zu berichten ist nicht / kaufte 3 Barokstiche / aber zu Hause war der / Reiz leider etwas verflogen. / Q. war b. Hedda und / ich ziemlich melancholisch / und mit Augenkater / und schlechtem Telefon von / Neum. u. Wettin was wieder / neue Laufereien ankündete / Auch der Abend verlief noch / ziemlich deprimiert trotz Q.

26: Ab dem 09.08.1948 zählte Max Beckmann die Tage bis zur Abreise in die USA herunter.
3 Barokstiche: Es ist nicht ermittelt, welche Stiche Max Beckmann an diesem Tag erwarb. Er interessierte sich schon früher für die Kunst Alter Meister. Reinhard Piper erwähnte, dass der Maler seit etwa 1920 William Hogarths Stich „Der Morgen“ von 1738 besaß, vgl. Reinhard Piper: Mein Leben als Verleger. Vormittag, Nachmittag. München 1964, S. 326. Piper gegenüber äußerte Max Beckmann im Herbst 1920: „Brueghel, Hogarth, Goya haben alle drei die Metaphysik in der Gegenständlichkeit. Das ist auch mein Ziel.“, vgl. ebd., S. 327.
Q. war bei Hedda: Mathilde Q. Beckmann besuchte ihre Schwester Hedda Schoonderbeek, die in Naarden wohnte.
schlechtem Telefon von Neum. u. Wettin: Die Spedition Neumann & Vettin organisierte den Transport der Möbel und Gemälde in die USA und rief wohl wegen fehlender Papiere an. Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrer Agenda: „Abends fand ich Tiger in mieser Stimmung wegen Anruf Spediteur. Ausfuhrvergunnung [nl uitvoervergunning, Ausfuhrgenehmigung] Tiger wahnsinnige Depression glaubt wir kämen nicht weg.“

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 20.08.1948. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3575