22. Sep 194822. September 1948

= New Jork = / [CLEAR] / Nun ist es glücklich / so weit!!! [fünf waagerechte Linien] / !! / !!! / Morgens schon im Centralpark mit / Q u. Butschy in wahrhaft para- / diesischer Heiterkeit und Ruhe / dahinten am See. Butschy konnte / den Anblick d. Mänchen machenden / Eichhörnchen kaum ertragen und / bekam Chokoladeneiscream. Nach- / her über Plaza zu °W° Valentin / wo ich Fußballsp. u. Saxophon °sti°llleben / wieder sah u. 300 $ bekam für’s / erste. Sonst lauter Tapeten. / M. V. u. Dorothy eine Malerin bei Lonchamp / Lunch. – Nachm. u. Abend im Hotel / totmüde aber befreit!!!

Q: Mathilde Q. Beckmann.
Butschy: Butchy.
Plaza: Bar oder Restaurant im Plaza Hotel.
Valentin wo ich Fußballsp. u. Saxophon llleben wieder sah: „Fußballspieler“, MB-G 307, und „Großes Stillleben mit Musikinstrumenten“, MB-G 257. Beide Gemälde befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Buchholz Gallery Curt Valentin.
300 $: Es handelte sich hierbei vermutl. um eine Abschlagszahlung, die Curt Valentin an Beckmann für dessen Auslagen zahlte und die monatsweise mit Verkäufen verrechnet wurden. In Curt Valentins Nachlass, erhalten in den MoMA Archives, finden sich mehrere in „Debit“ und „Credit“ unterteilte Abrechnungen mit Beckmann, allerdings nicht für 1948.
Sonst lauter Tapeten: Despektierlicher Ausdruck Max Beckmanns für seiner Auffassung nach rein dekorative Malerei. Er verwendete ihn schon in seinem Beitrag „Gedanken über zeitgemäße und unzeitgemäße Kunst“ in der Zeitschrift Pan, wo er u. a. polemisch von „eingerahmten Gauguintapeten“ schrieb.
M. V. u. Dorothy eine Malerin: Mathilde Q. Beckmann, Curt Valentin, Dorothy Miller und eine nicht identifizierte Malerin. Mathilde Q. Beckmann notierte in ihrer Agenda: „Mit Valentin u. Dorothy Miller u. Gina bei Longchamp geluncht.“ In ihren Anmerkungen in Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950 bezeichnete Mathilde Q. Beckmann die Künstlerin als „eine Malerin aus Charleston“.
Lonchamp: Lokal der Restaurantkette Longchamps, die mehrere Filialen in Manhattan betrieb. Zu den Filialen und ihren Eröffnungsdaten vgl. https://www.drivingfordeco.com/new-york-art-deco-longchamps.
Hotel: Gladstone Hotel, vgl. Eintrag vom 21.09.1948.

  • MB-G 307
  • MB-G 257

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 22.09.1948. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950. Zusammengestellt von Mathilde Q. Beckmann. Herausgegeben von Erhard Göpel. München/Zürich (durchgesehene Neuausgabe) 1987, S. 289;Curt Valentin Papers, Curt Valentin Bequests, The Museum of Modern Art Archives;Max Beckmann: Gedanken über zeitgemäße und unzeitgemäße Kunst. In: Pan, Heft 17, 14.03.1912. S. 502

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3609