1. Jan 19481. Januar 1948

Millbrook. St. Louis / [CLEAR] / Die Neujahrsnacht verbrachten wir ~ab ½ 11 Uhr~ / beim Rüsselschwein und Odaliske / Eine Riesengans um Mitternacht / war auch da ebenso Mr. u. Miss. Harrison / die mir englische Stunde geben wollte / weil die Reise auf dem Fisch im / Museum ausgestellt war „first Louisman“ / ha ha, Odaliske wollte nicht sterben / viel Whisky viel Chr. in Vorhölle / am Morgen fertig ~(?)~ . Viel junge Teachers / ein frenchfreshling mit examination / of me von Stendahl bis Cocteau / hm hm sah Ernst ähnlich viele / groteske Weiber z. T. in japanischen / Pyama (ehemalige Nazi) °Sch° Swinegels / voll schmalzender Zärtlichkeit ha, ha / sie mit Ihrer Eulenbrille u Stechaugen / na und so weiter viele Menschen und / wenig Wolle. Mit Swinegels herablassend / im Auto zurück. Alles ganz lustig / u. besser als ich dachte. – Mittags also heut Nachm. Partie / bei Bill u. s. Eltern abgeholt v. d. müden Rettl. e / gabs wunderbare Rindsroulden u. / Perry war heiser von Christmas. Onkel hatte Gumischuhe [?] / an ein sehr schöne Frau die keine Kinder kriegen konnte / m. Perrys n. Hause

Millbrook: 6916 Millbrook Boulevard, heute Forest Park Parkway, die Adresse von Max Beckmanns Dienstwohnung.
Rüsselschwein: Horst W. Janson.
Odaliske: Dora Janson.
Mr. u. Miss. Harrison ... englische Stunde: Frank und Norah Harrison, letztere bot wohl an, Max Beckmann Englischunterricht zu geben.
Reise auf dem Fisch im Museum ausgestellt: Das Gemälde „Reise auf dem Fisch“, MB-G 403, war offenbar schon vor der Ausstellung „Max Beckmann 1948. Retrospective Exhibition“, die vom 10.05.1948 bis 28.06.1948 stattfand, im City Art Museum ausgestellt.
first Louisman: en der erste bzw. führende Mann in St. Louis. Es handelt sich vermutl. um ein auf Beckmann bezogenes Zitat von Norah Harrison.
Odaliske wollte nicht sterben: Dora Janson, Kontext nicht ermittelt.
Chr. in Vorhölle am Morgen fertig: „Christus in der Vorhölle“, MB-G 758. Laut Bilderliste hat Max Beckmann noch bis 12.01.1948 an dem Gemälde gearbeitet.
Viel junge Teachers: en teacher, Dozent:innen.
frenchfreshling mit examination of me von Stendahl bis Coctau ... sah Ernst ähnlich: en freshman, Erstsemester. Vermutl. ein französischer Student, der sich mit Max Beckmann über französiche Literatur (Stendhal, Jean Cocteau) unterhielt, nicht ermittelt. Der französische Student erinnerte Max Beckmann an Stephan Lackner (d. i. Ernst Morgenroth).
groteske Weiber ... ehemalige Nazi: Partygäste, nicht ermittelt.
Swinegels: Margarete und Werner Drewes.
viele Menschen und wenig Wolle: Variante der von Max Beckmann häufiger genutzten Redewendung („Viel Geschrei und wenig Wolle“), etwa: Viel Lärm um Nichts. Sie geht auf eine Volkserzählung zurück, in der der Teufel vergeblich versucht, eine Sau zu scheren, vgl. Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Darmstadt 2001, S. 539–541.
Partie bei Bill: Party bei William Bernoudy und dessen Eltern. Bernoudys Vater war Jerome Bauduy Bernoudy, er wohnte im selben Haus wie sein Sohn, 7033 Lindell Boulevard.
Rettl: Euretta „Rettles“ Rathbone.
Perry: Perry T. Rathbone.
Onkel: Einen Onkel von Perry T. Rathbone traf das Ehepaar Beckmann häufiger an. Möglicherweise handelt es sich um einen der beiden Brüder von Perry T. Rathbones Mutter, James Willard Connely oder Ernest H. Connely. Vgl. Einträge vom 25.12.1947 und 06.03.1948.
Frau: Person nicht ermittelt.

  • MB-G 403
  • MB-G 758

Max Beckmann Bilderliste Heft II, 1948. Bilder ab nuar 1934 Berlin von Beckmann. Einnahmen seit Amsterdam 1937. Tagebuch 1940/41, Max Beckmann Archiv;Max Beckmanns Bibliothek, Max Beckmann Archiv: Stendhal: Le Rouge et le Noir. Chronique du XIXe siècle. Band 1. Manz Verlag, Wien 1916;Jean Cocteau: Les Enfants terribles. Roman. Grasset, Paris 1930;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3688