14. Jan 194814. Januar 1948

St. Louis / [SNOW] / 15% Kälte aber herrliches Wetter / Viel getan, first Speach / with the Dean gab ihm Beckmann / mappe und bestellte Billets / zu seinem Tochterballet. Dann / kam Perry die letzten 2 / Bilder ansehen und war / wirklich sehr eingehend und / schön, fand auch, daß weitergekommen / Briefe aus Michigan (Austellungserie) / feuerten ihn auch noch an wegen / <seiner> Austellung. Dann zu / Fuß in Sonnenfrost zum Plaza / u. Mit Q geluncht (Fisch) im Auto / zurück wo Claranigresse reinigte / geschlafen u. warte eben auf Horst Rüsselschwein / Draußen pfeift das Unglücksauto – / Rschwein was there après 3 Whisky fand er / mich ein „Genie“ und ging mit Kuchschen [?] für / seine Zwillinge beladen wieder ab. Sunja fand dasselbe

%: Max Beckmanns Schreibweise für Temperaturen in Celsius.
Speach: en speech, Rede. Vermutl. irrtümlich für „Gespräch“. Mathilde Q. Beckmann erwähnte in ihrer Agenda: „Tiger sprach mit Mr. Hudson u. Correctur gegeben“. Max Beckmanns Vortrag „Drei Briefe an eine Malerin“ („Three Letters to a Woman Painter“) verlas Mathilde Q. Beckmann erst am 03.02.1948 im Stephens College in Columbia, vgl. Eintrag vom 03.02.1948.
Dean: Kenneth E. Hudson.
Tochterballet: Kenneth E. Hudsons Tochter Ann Lee tanzte Ballett, vgl. auch Einträge vom 28.11.1947 und 28.12.1947. Ann Lee Hudson trat in einem Modeballett auf, vgl. Eintrag vom 14.02.1948 und St. Louis Post-Dispatch.
Perry die letzten 2 Bilder ansehen: Perry T. Rathbone kam in Max Beckmanns Atelier in der Washington University School of Fine Arts in Bixby Hall und sah sich „Christus in der Vorhölle“, MB-G 758, und „Bildnis Quappi in Grau“, MB-G 761, an.
Briefe aus Michigan (Austellungsserie): Briefe nicht ermittelt. Ausstellungsserie meint vermutl. die an acht verschiedenen Stationen, darunter auch im Detroit Institute of Arts gezeigte „Max Beckmann 1948. Retrospective Exhibition“, die erste umfassende Ausstellung Max Beckmanns in einem US-amerikanischen Museum.
wegen seiner Austellung: Die Ausstellung mit mehreren Stationen begann am 10.05.1948 im City Art Museum in St. Louis, dessen Direktor Perry Rathbone war. Rathbone verfasste auch die Einleitung des Ausstellungskataloges, die auf Gesprächen mit Beckmann fußt.
Plaza: Bar oder Restaurant im Chase Park Plaza Hotel.
Q: Mathilde Q. Beckmann.
Claranigresse: fr negresse, Negerin. Das N-Wort ist eine kolonial-rassistische Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen, die im damaligen Sprachgebrauch üblich war. Haushaltshilfe mit dem Vornamen Clara.
Horst Rüsselschwein / Rschwein: Horst W. Janson.
Draußen pfeift das Unglücksauto: Nicht ermittelt.
was there: en war da.
après: fr nach.
Kuchschen [?]: Gebäck, Kekse. Vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda: „[...] ich fuhr nach Clayton [...] Koekjes holen.“ Koekjes: nl Kekse.
seine Zwillinge: Dora und Horst W. Janson hatten vier Kinder, darunter die Zwillinge Anthony und Peter. Vgl. Elizabeth Sears und Charlotte Schoell-Glass: An Émigré Art Historian and America: H. W. Janson. In: The Art Bulletin 95, 2013, 2, S. 237, Anm. 16.
Sunja: Zunia Henry.

  • MB-G 758
  • MB-G 761

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 14.01.1948. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Veranstaltungsprogramm in: St. Louis Post-Dispatch, 14.01.1948, 14.09.1950 und 14.09.1951

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3701