16. Jan 194816. Januar 1948

<30% Kälte> / <in Chicago> / [CLEAR] / Wahnsinnig kalt u eisige Alaskakälte / in kalter Sonne Michiganven, dann / aber doch Auto. / Die Avenue sehr / großartig alles breit u. riesenhaft / Besahen Artmuseum u. Beckmann / austellung (Zeichnugen) mit Sneewindt / Der versucht recht liebenswürdig zu seieen. / Austellung fein aber nicht umfassend / genug. Verkauf (endlich) v. Q. in Neaples. / u. ein Holzschnitt. Na dann Fraß / im. Downstair mit Snee u. Hut (ganz nett) / aber gräßlich überfüllt v. Studiens – – / nach Hause geschlafen (auch Q. / mußte ganz nett z. Teil sogar / sehr.) na ja – – – schöne Aussicht aus / Hotel auf lauter Riesen u. d. Michigan – / Nachm. Empfang b. Miss. Paker Palmer / und Trusty Museums Millionärscohorte / auch Rich den ich schon am Morgen beim / Kauf eines Cecanns im Museum kennen / lernte. Frau Palmer sehr nett. 2 Töchter / eine schwanger (ganz schamlos) hübsch sogar – / u. viele Typen u. Chines. Plastik. Mi. [?] Cornicert. [?] / Abends allein m. Q. im Pumproom Ambassade / recht großartiger Rummel 1. Fl. Cliquot 37 / u. Hühnerleber am Spieß.

%: Max Beckmanns Schreibweise für Temperatur in Celsius.
Michganven: Michigan Avenue.
Artmuseum u. Beckmann austellung (Zeichnugen): Ausstellung „Max Beckmann“ im Art Institute, die vom 10.01.1948 bis 22.02.1948 stattfand (verlängert bis 18.03.1948) und in der 69 Aquarelle sowie Zeichnungen, 59 Blatt Grafik und ein handkoloriertes Exemplar der Apokalypse gezeigt wurden. Vgl. Ausstellungskalender im Bulletin of the Art Institute of Chicago.
mit Sneewindt: Carl O. Schniewind, der die Werke für die Ausstellung ausgewählt hatte, begleitete Max Beckmann durch diese. Vgl. Einträge vom 09.05.1946, 07.07.1947 und 08.07.1947.
Verkauf (endlich) v. Q. in Neaples: Der Verkauf von „Karneval in Neapel“, MB-A/P 104, wurde bereits in Amsterdam eingeleitet, als Margaret Day Blake und Pauline Potter Palmer Max Beckmann in seinem Atelier besuchten, vgl. Eintrag vom 08.07.1947. Margaret Day Blake erwarb das Pastell.
Q.: Mathilde Q. Beckmann.
ein Holzschnitt: Die überlieferte Liste der im Art Institute gezeigten Zeichnungen und druckgrafischen Blätter Beckmanns enthält Preise, es handelte sich folglich um eine Verkaufsausstellung. Ausgestellt waren neun (der insgesamt 19) Holzschnitte, die anhand der in der Liste vermerkten Titel nicht alle eindeutig identifizierbar sind, vgl. Liste der Ausstellung „Max Beckmann“, The Art Institute of Chicago, Max Beckmann Archiv. Einer der Holzschnitte wurde an diesem Tag verkauft, möglicherweise ebenfalls an Pauline Potter Palmer.
Fraß im. Downstair mit Snee u. Hut ... überfüllt v. Studiens: en downstairs, Untergeschoss, en students, Student:innen. Im Untergeschoss des Art Institute befand sich eine mit Wandgemälden versehene Cafeteria, in der Max Beckmann mit Carl O. Schniewind und Hans Huth, Associate Curator of Painting and Sculpture, aß. Laut Mathilde Q. Beckmann war auch Huths Frau Marta dabei, vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda, 16.01.1948. Die Wandmalereien wurden von einem Studenten des School of the Art Institute, Fukuo Kunal, entworfen, von seinen Mitschüler:innen aus der Klasse von Elmer Forsberg ausgeführt und in den 1930er Jahren angebracht (freundlicher Hinweis von Bart H. Ryckbosch, The Art Institute of Chicago Archives Research Center).
Aussicht aus Hotel auf lauter Riesen u. d. Michigan: Vom Pearson Hotel aus sah Max Beckmann auf die Hochhäuser Chicagos und den Lake Michigan.
Miss Paker Palmer: Pauline Potter Palmer.
Trusty Museums Millionärscohorte: en trustees, Treuhänder des Museums. Pauline Potter Palmers Mann, Potter Palmer II, war von 1920 bis 1943 Trustee des Art Institute of Chicago und in dieser Zeit Präsident des Museums, vgl. Institutional Archives, Art Institute of Chicago, https://publications.artic.edu/pissarro/api/epub/7/955/print_view#fig-955-11.
Rich ... beim Kauf eines Cecanns: Daniel Catton Rich. Das Art Institute erwarb im April 1948 Paul Cézannes „Madame Cézanne in a Yellow Chair“, vgl. https://www.artic.edu/artworks/62371/madame-cezanne-in-a-yellow-chair. Evtl. war Max Beckmann bei den dem Ankauf vorausgehenden Gesprächen dabei.
Frau Palmer ... 2 Töchter: Pauline Potter Palmer hatte zwei Töchter, Pauline Wood (1917–1984) und Bertha Thorne (1911–1974).
viele Typen: Personen nicht ermittelt.
Chines. Plastik: Nicht ermittelt, vermutl. sah Max Beckmann asiatische Kunst bei Pauline Potter Palmer zu Hause.
Pumproom Ambassade: The Pump Room im Ambassador Chicago Hotel.
1. Fl. Cliquot 37: Eine Flasche Champagner der Marke Veuve Clicquot aus dem Jahr 1937.

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 16.01.1948, 17.01.1948. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Art Institute of Chicago, Exhibitions. (1948). In: Bulletin of the Art Institute of Chicago 42, 1948, 1, S. 9;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3703