21. Dez 194821. Dezember 1948

blau – kühl / Bei schönem Wetter, erstmalig am linken / Flügel „Leiermann“ ernsthaft ge- / arbeitet immer mit dem melancholischen / Gefühl nicht mehr lange mitzumachen, / was ja teils angenehm teil’s – na – ja ist. / Herznerven beunruhigen mehr od. weniger – / S’ kann aber auch Kranzverkalkung / od. so was sein. – We will see. – / – Trotz allem war es schön mal / wieder zu formen und es ging besser / als je. – Meine Kunst u. Geld – / politischen Dinge hingegen sehen weiter / trübe aus. Keine Post von Aline / nicht’s vom [Bildzeichen: Dreieck]. Zuerst große / Liebe na und nachher. Sehe mich / schon mit hängender Nase auf / dem Rückweg von New York. – / Na immerhin werden wir Herrn Hermann / sehen und dann wissen was noch / an Kapital vorhanden. (Heute morgen / Telefon mit ihm) Abends war ich / seit sehr langer Zeit mal wieder im / Forestparkhotel ganz nett. Im / kalten Wind etwas Weh. Später / nicht mehr. – So geht die Zeit dahin.

erstmalig am linken Flügel „Leiermann“: Beckmann nahm die Arbeit an der Figur des Leierkastenmannes auf dem linken Flügel des Triptychons „The Begining“, MB-G 789, auf.
We will see: en Wir werden sehen.
Keine Post von Aline: Max Beckmann erhoffte sich von der Kunstkritikerin Aline Louchheim, später verh. Saarinen, Verbindungen zu New Yorker Sammler:innen. Louchheim hatte Max Beckmann am 04.06.1948 für die New York Times interviewt, vgl. Eintrag vom 04.06.1948. Louchheim hatte darüber hinaus im August 1948 das „Bildnis Quappi in Grau“, MB-G 761, erworben.
nicht’s von [Bildzeichen Dreieck]: Bedeutung nicht ermittelt. Gemeint ist vermutl. Curt Valentin, vgl. Anmerkungen von Mathilde Q. Beckmann in Tagebücher 1940–1950: „Keine Post von A., nichts von Valentin.“
Rückweg von New York: Max Beckmann plante eine Reise vom 25.12.1948 bis 08.01.1949 nach New York.
Herrn Hermann … Kapital vorhanden: Emil Hermann, Sachverständiger für Streichinstrumente. Mathilde Q. Beckmann beabsichtigte, die Violine ihrer Mutter Frida von Kaulbach zu verkaufen und ließ das Instrument von Emil Hermann begutachten. Sie hoffte, dass es sich um eine wertvolle Arbeit des Geigenbauers Guarneri del Gesù handele, was allerdings nicht zutraf, vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda.
Forestparkhotel: Vermutl. das am Forest Park gelegene Chase Park Plaza Hotel.
Weh: Vermutl. Herzbeschwerden. Max Beckmann litt unter Angina Pectoris.

  • MB-G 789

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 03.01.1949. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950. Zusammengestellt von Mathilde Q. Beckmann. Herausgegeben von Erhard Göpel. München/Zürich (durchgesehene Neuausgabe) 1987, S. 304

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1948, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1948/3854