28. Mär 194928. März 1949

St. Louis / [CLEAR] / Allerlei Wichtig unwichtiges / Brief v. Kurt mit Liebe / aber nicht viel Neues (noch keine / Wohnung) – Rendezvous mit / Morton May verbunden mit der / Erzählung von endlosen Liebes- / und Scheidungsgeschichten – / Besuch seines fantastischen Homes / wo auch die „Geschiedene“ noch auftauchte / und entsetzlich viel Bilder. Dann / bei seinem Papa, Riesenhafte Villa / mit uraltem Riesenkitsch aber / guten Hammelkottles mit „Corn / sah auch „die Schauspielerinen“ wieder / Später Troubl wegen New Orleans / Telef mit Swan später mit Jm–Stanley / wegen Hotel in N. Orleans – Verzicht der / Mitreise Q. wegen Butschy und / schluß der Elexire – melancolisch genug[?] [li. Rand, 90 Grad gedreht:] Zeichnete erstmalig Mr. May [re. Rand, 90 Grad gedreht:] Q. war Abends auf Wedgwoodaustellung sah Perys

Brief v. Kurt: Brief von Curt Valentin, nicht ermittelt. In dem Schreiben ging es u. a. den Corcoran Prize, den Max Beckmann nicht erhalten könne, da er noch kein Amerikaner sei. Valentin bemühte sich um Wohnung und Atelier in New York. Dem Brief lagen offenbar Fotos bei, für die sich Max Beckmann in seinem Antwortbrief an Valentin vom 28.03.1949 bedankte, vgl. Max Beckmann Briefe III.
Morton May: Morton D. May besuchte Max Beckmann in seinem Atelier in Bixby Hall, anschließend fuhren sie zu seinem und dem Haus seines Vaters Morton J. May.
fantastischen Homes: Morton D. Mays Haus befand sich im Stadtteil Ladue und das seines Vaters in Brentmore Park. Auf dem Grundstück des väterlilchen Anwesens baute sich Morton D. May ein weiteres Haus, das zu jenem Zeitpunkt allerdings noch nicht fertiggestellt war. Während die Villa des Vaters im englischen Landhausstil gehalten war, waren beide Häuser Morton D. Mays moderne Flachbauten mit großen Glasflächen. Das Haus in Ladue war 1941/42 errichtet worden, das in Clayton erst nach 1950, Margie und Morton D. May zogen dort erst im Juni 1953 ein. Vermutl. war die Scheidung von Katherine Arnstein Anfang dieses Jahres der Grund für Mays Auszug aus dem Haus in Ladue, sie blieb mit den beiden gemeinsamen Söhnen zunächst dort wohnen. Morton D. May lebte zu dieser Zeit im Haus seines Vaters. Die lokale Presse berichtete über die Scheidung und Wohnarrangements der Mays, vgl. St. Louis Globe Democrat, 05.01.1949 und 08.01.1949. Freundlicher Hinweis von Miranda Rectenwald, Washington University Libraries, Department of Special Collections.
die „Geschiedene“: Morton D. Mays erste Ehefrau Katharine Arnstein.
entsetzlich viele Bilder: Morton D. May besaß eine umfangreiche Kunstsammlung, darunter Werke von Picasso, vgl. Frederick S. Levine: The Morton D. May Collection Of German Expressionist Paintings. University of Texas at Austin, Art Museum 1974.
Papa: Morton J. May.
sah ... „die Schauspielerinen“ wieder: „Zwei Schauspielerinnen bei der Garderobe“, MB-G 728, befand sich zu jener Zeit noch im Besitz von Morton D. May, der es über die Buchholz Gallery Curt Valentin erworben hatte.
Troubl ... New Orleans: en trouble, Schwierigkeiten. Es war schwierig, kurz vor Ostern noch ein Hotel in New Orleans zu finden, schließlich fand man eines, das keine Hunde erlaubte, daher verzichtete Mathilde Q. Beckmann auf die Reise und blieb mit Butchy in St. Louis.
Swan: Mikal oder Robert Swan aus Columbia, Stephens College, riefen an. Vgl. Eintrag 15.02.1949.
Jm–Stanley: James „Jim“ Jameson und Stanley Radulovic halfen bei der Hotelsuche und Buchung in New Orleans.
schluß der Elexire: Lektüre von E. T. A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“. In Max Beckmanns Bibliothek befand sich ein Band mit diesem Roman des Autors.
Zeichnete erstmalig: Folgende drei Bildnisstudien zum „Bildnis Morton D. May“, MB-G 785 sind bekannt: „Skizze von Morton D. May“, 1949, Kohle, Privatbesitz, MB-Z 000, „Skizze von Morton D. May“, 1949, Kohle, Privatbesitz, MB-Z 000 und „Zwei Skizzen von Morton D. May“, 1949, beide Bleistift, Privatbesitz, MB-Z 000 und MB-Z 000. Alle Angaben vgl. Lynette Roth: Max Beckmann at the Saint Louis Art Museum. The Paintings. London/München/New York 2015, S. 204–207. Es ist nicht bekannt, welche der Studien Beckmann an diesem Tag anfertigte.
Wedgwoodaustellung: Am 28.03.1949 eröffnete die Ausstellung „Wedgwood 1649–1949“ im City Art Museum.
Perys: Euretta und Perry T. Rathbone.

  • MB-G 728
  • MB-G 785

Max Beckmann Briefe. Herausgegeben von Klaus Gallwitz, Uwe M. Schneede und Stephan von Wiese unter Mitarbeit von Barbara Golz. Band III: 1937–1950. Bearbeitet von Klaus Gallwitz unter Mitarbeit von Ursula Harter. München/Zürich 1996, Nr. 910;Max Beckmanns Bibliothek, Max Beckmann Archiv: E. T. A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus. In: E. T. A. Hoffmann’s ausgewählte Schriften. Sechster Band. Berlin bei G. Reimer 1828

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1949, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1949/2252