1. Jun 19491. Juni 1949

St. Louis / Morgens „Sitzung“ ~(Meeting)~ noch einmal / alle Typhen von °Rüsselschwein° ~Swinegel~ / bis zum „Taschendieb“ nach 2 Stündiger / öder Sitzung konnte ich Jm / seine 800 $ Felloship ergattern. / – Na er freute sich – / Nachm. eine Cohorte von / Kunstbegeisterten (Beefsteaks Großpapa / Sunjas unter Q. Führung im / Atelier. / Ich allein wurde abgeholt und / konnte noch mal den Missouri / bei Tage und in ziemlicher / Sonne unter scheußlichem Geschwätz / der „Lenker“ meine Reverenz / machen. – Übrigens nicht viel anders / wie manche Gegenden in Deutschland. / Bei Rückkehr guter Brief von <„Court“> / May hat sein Bild für 25000 $ und / er war zufrieden mit meinem Verkauf / und o ho nur 30% .........

°Rüsselschwein°: Horst W. Janson, hier irrtümlich aufgelistet.
Swinegel: Werner Drewes.
Taschendieb: Person nicht ermittelt.
Jm ... Felloship: Max Beckmann setzte sich dafür ein, dass sein Schüler James „Jim“ Jameson ein Stipendium erhielt. Vermutl. handelt es sich hierbei um den in Jamesons’ Biographie aufgeführten John T. Milliken Award der Washington University, vgl. http://jamesonart.net/demetriosgjameson.html.
Beefsteaks Großpapa Sunjas: Beefsteaks steht vermutl. scherzhaft für das Ehepaar Hamburger. Martha und Viktor Hamburger kamen mit Zunia Henry und Mathilde Q. Beckmann in Max Beckmanns Atelier in Bixby Hall, um Bilder zu betrachten, vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda.
Großpapa: Person nicht ermittelt, evtl. auf Viktor Hamburger bezogen.
Missouri: Max Beckmann wurde vermutl. von Zunia Henry oder einer ihrer Bekannten im Auto zu einem Ausflug an den Missouri River mitgenommen, der nördlich von St. Louis in den Mississippi mündet.
May ... 25000 $: Vermutl. irrtümlich für die 2500 $ für das Gemälde „Großes Frauenbild. Fischerinnen“, MB-G 777, vgl. Eintrag vom 28.05.1949.
Brief von „Court“... Verkauf ... 30%: In der Regel nahm Curt Valentin 50% des Verkaufspreises ein, gestand Max Beckmann bei den Verkäufen, die dieser an Morton D. May getätigt hatte, jedoch ausnahmsweise 70% der Einnahmen zu. Vgl. Brief an Curt Valentin vom 19.05.1949: „Es ist bedauerlich, daß immer schlecht eingezahlt wird, immerhin aber war das einer der wichtigsten Gründe, die Sie mir selbst angaben, daß wir Ihre Prozente von 30 auf 50 erhöhten.“ Bei dem erneuten Verkauf an Morton D. May im November wurde die Verkaufssumme wieder so aufgeteilt, vgl. Eintrag vom 15.11.1949.

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 01.06.1949. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1949, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1949/2320