15. Sep 194915. September 1949

Warm / [CLEAR] / ließ meine Schuhe op Straat putzen / fuhr mit Bus bis Gladstonestreet / über Lexington. In strahlender Mittags / sonne wandelnd Parkavenue schließlich / Buchholzcourt. Sah meine Gypsplastiken / in <Bronze> und einen schönen Beckm. Mädchen / mit Papagei in schwarz. Dann Lunch mit / Court und nach dem ersten Coctail / kaufte er „<<Beginnig>>“ <<für 2500
gt;> / zahlbar in 200 $ monatlich. Auch alles übrige / wurde in Freudschaft bereinigt – Im Lexington / nach Haus, große Freude. / Nachm. Übervölkerung in d. 19. Street. <Rik> / <und Frau> u. jung. Willke nahmen ihr Portait mit / brüllender Begeisterung. u kaufte für 300 $ / die beiden Nigger in d. Bar. Dann kam / <Court> u. Dorothy Miller großer Lärm im Haus / Butschy bellte. <Court> suchte 17. Bilder aus / für Austellung und in der <Times> war / Beckmann ganz groß in d. albernen Teacheraustelln / v. Broklyn [li. Rand, 90 Grad gedreht:] Telefon ist gekommen!!!

op Straat: nl auf der Straße. Max Beckmann ließ sich die Schuhe von einem der sog. Shoe Shine Boys putzen.
Gladstonestreet über Lexington: Gemeint ist vermutl. die East 52nd Street auf Höhe der Park Avenue, wo das Gladstone Hotel lag. Die Lexington Avenue verläuft parallel zur Park Avenue.
Buchholzcourt: Buchholz Gallery Curt Valentin.
Gypsplastiken in Bronze: Curt Valentin hatte – vermutl. alle fünf bis dahin geschaffenen – Plastiken von Max Beckmann in Bronze gießen lassen. Vgl. Eintrag vom 24.05.1949.
Mädchen mit Papagei in schwarz: „Frau mit Vogel in Schwarz und Grau“, MB-G 720.
Court: Curt Valentin.
kaufte er „Beginnig“: Curt Valentin kaufte das Triptychon „The Beginning“, MB-G 789, für 2500 Dollar und zahlte diesen Preis in Raten von 200 Dollar an Beckmann ab.
Im Lexington: New Yorker Buslinie.
Übervölkerung in der 19. Street: Es kamen viele Besucher:innen in die Wohnung von Mathilde Q. und Max Beckmann in 234 East 19th Street.
Rik und Frau … Portait: George und Edith Rickey nahmen das „Bildnis Edith Rickey“, MB-G 788, mit, das sie seit der Beauftragung weiterhin abzahlten, vgl. Eintrag vom 18.11.1949.
jung Willke … Nigger in der Bar: Ulfert Wilke, ein Freund des Ehepaars Rickey, kaufte „Zwei Neger im Variété“, MB-G 725, für 300 Dollar. Laut Wilke habe Max Beckmann über das Gemälde zu ihm gesagt: „Das ist ein Bild für Kenner“, vgl. https://beckmann-gemaelde.org/725-zwei-neger-im-variete. Das N-Wort ist eine kolonial-rassistische Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen, die im damaligen Sprachgebrauch üblich war.
Butschy: Butchy.
Court … suchte 17. Bilder aus für Austellung: Fünf der in der Ausstellung gezeigten Werke waren bereits bei Curt Valentin, zum Teil in Kommission (MB-G 759, 763, 774, 779, 781). Das ebenso in der Ausstellung gezeigte „Bildnis Morton D. May“, MB-G 785, befand sich bei Morton D. May in St. Louis. Zusammen mit dem Triptychon „The Beginning“, MB-G 789, das Valentin am selben Tag gekauft hatte, und dem „Bildnis Edith Rickey“, MB-G 788, das Edith und George Rickey an diesem Tag mitgenommen hatten, könnte es sich noch um die folgenden Werke handeln: MB-G 429, 459, 472, 479, 714, 741, 745, 755, 761, 770, 775, 780, 790, 791, 792.
Butschy: Butchy.
Times … Teacheraustelln v. Broklyn: In der New York Times erschien ein Artikel über die „Faculty Show“ im Brooklyn Museum, die am 13.09.1949 eröffnet hatte, vgl. Eintrag vom 13.09.1949. Der Zeitungsartikel nicht ermittelt.
Telefon: Mathilde Q. und Max Beckmann bekamen einen eigenen Telefonanschluss und mussten daher nicht mehr zu ihrer Vermieterin, um zu telefonieren.

  • MB-G 788
  • MB-G 725
  • MB-G 720
  • MB-G 789

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1949, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1949/2429