N. Jork / [CLOUDY] / kälter / Besuch vom Dean Warren / nebst Houswife und / Stanly Radulowitsch / der hübsche 4000 $ Fellos~i~ph / jew. Ganz nett. / 3 Bilder „Legende“ Still / leben m. Muschel und v. d. Ball / mit Begeisterung abgenommen / Spazieren gekältet und / gewakt. Dann ganz grotesker / Besuch einer Deutschschweizer / women den ich schleunigst / vergessen will. Viel Post / und wenig Wolle. Vassar College / bietet 100 $ für Lecture – – –
Dean Warren nebst Housewife und Stanly Radulowitsch: Carolyn und Warren Brand kam mit seinem Mitstudenten aus St. Louis, Stanley Radulovic, zu Besuch. Brandt unterrichtete in der Zwischenzeit selbst, weshalb ihm Max Beckmann den Zusatz „Dean“ (en Dekan) gab. Brandt wurde allerdings erst 1960 zum Vorsitzenden der Faculty of Fine Arts an der Southern Illinois University in Carbondale gewählt, vgl. Gerrit Henry: „Warren Brandt. A Retrospective”, Weatherspoon Art Gallery. The University of North Carolina at Greensboro 1992, S. 5.
Fellosiph ... jew: en fellowship, „jew.“ hier vermutl. ugs. (berlinerisch) für „jewonnen“. Radulovic hatte das Stipendium für einen Europaaufenthalt erhalten, vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda.
„Legende“: „Perseus’ (Herkules’) letzte Aufgabe“, MB-G 798.
Still Leben m. Muschel: „Großes Stilleben mit schwarzer Plastik. Stilleben mit Kerzen“, MB-G 797.
v. d. Ball: „Vor dem Ball. Zwei Frauen mit Katze“, MB-G 796.
gewakt: en walked, spazierengegangen.
Deutschschweizer women: Vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda: „Besuch von d. Schwägerin von Lütjens eine grässlich dumme arrogante Frau.“ Die Schwägerin von Helmuth Lütjens war Gabrielle Thorbecke. Freundliche Auskunft von Annemarie Lütjens, Amsterdam.
Viel Post und wenig Wolle: Variante der von Max Beckmann häufiger genutzten Redewendung „Viel Geschrei und wenig Wolle“, etwa: Viel Lärm um Nichts. Sie geht auf eine Volkserzählung zurück, in der der Teufel vergeblich versucht, eine Sau zu scheren, vgl. Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Darmstadt 2001, S. 539–541.
Vassar College bietet 100 $ für Lecture: Das Vassar College in Poughkeepsie, New York, lud Max Beckmann zu einem Gespräch mit den Studentinnen ein, Mathilde Q. Beckmann las dort darüber hinaus am 22.02.1950 Max Beckmanns Vortrag „Drei Briefe an eine Malerin“, vgl. Eintrag dort und vgl. Brief von Lewis Rubinstein, Department of Art am Vassar College, vom 10.11.1949, erhalten in den Archives of American Art, Washington, D. C.: „We should like very much to have you come to Vassar College to talk informally to the students about your paintings and theirs. (...) At the time of your visit, we hope it will be possible to exhibit a few of your paintings in the downstairs gallery. We can offer you one hundred dollars for your time and travel expenses.“
Mathilde Q. Beckmann Agenda, 12.11.1949. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Max Beckmann papers, 1917–1954, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington, D. C.;
Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1949, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv