10. Jun 195010. Juni 1950

<Los Angeles> <Californien> / III / Am frühen Morgen endlich <Los Angeles> X / Durch die sehr schöne Flußebene mit dem / Salzsee und die ersten Eukalyptusse / und Riesenpalmen und Deserts – / also schließlich Bahof – kein Valentiner / an der Bahn nur eine Horde als Türken ver- / kleidete Amerikalogenbrüder die uns mit / Musik u. Hohngelächter empfingen der / mit einem Böllerschuß endete, da Butschy / fast seinen Geist aufgab – Na nach endlosen / Verwirrungen u. Telefoniren (auch noch falsches Hotel) / erschien Valentiner und Frau Burns od. so und / man schleppte uns im Auto nach Holly- / wood / (was ich garnicht wollte) zu einer Partie / eine „famos“ Kinostar“ Rice od. so, wo sich / dann auch Vico Lebrun u. verschieden andere / Beckmann eingeschworene versammelten hatten / und ich mußte viel Schmeichelhafts über / mich ergehen lassen. Lebrun übrigens <<sehr nett>>. / Rice hatte einen wahren Paradiesgarten mit / frühen Sculpturen u netten Frauen. Es / gab Whisky und Begeisterung. – Im Auto über / ganz Hollywood zur Bahn. Rechtzeitige Abfahrt / o – Gott . . . .!!

Los Angeles ... III: Dritter Eintrag, vgl. Eintrag vom 08.06.1950.
X: Vermutl. Zeichen für sexuelles Erlebnis.
Flußebene: Vermutl. die Ebene des Colorado River.
Salzsee: Salton Sea in der Colorado Desert, Kalifornien.
Horde als Türken verkleidete Amerikalogenbrüder: Vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda: „(...) ein Verein in Türkenkostüm und Blasmusik.“
Deserts: en Wüsten. Die Colorado-Wüste ist ein Teil der Sonora-Wüste und erstreckt sich von Kalifornien bis Mexiko.
Bahof ... kein Valentiner: William R. Valentiner, Direktor des Los Angeles Museum, sollte Mathilde Q. Beckmann und Max Beckmann am Bahnhof von Los Angeles abholen, war aber nicht da, da der Zug drei Stunden Verspätung hatte, vgl. Mathilde Q. Beckmann Agenda.
Butschy: Butchy.
Frau Burns oder so: Person nicht ermittelt.
„famos“: en famous, berühmt.
Rice od. so: Die Beckmanns waren bei dem Hollywoodschauspieler Vincent Price eingeladen.
Vico Lebrun: Rico (Federico) Lebrun.
Paradiesgarten mit frühen Skulpturen: Price sammelte u. a. präkolumbianische Artefakte und Kunsthandwerk und schenkte Max Beckmann eine präkolumbianisches Kopffragment, erhalten im Max Beckmann Archiv. Vgl. Brief von Mathilde Q. Beckmann an ihre Schwester Hedda vom 13.06.1950, erhalten im Max Beckmann Archiv: „Price ist Graphiksammler und wollte Max Beckmann schon lange kennen lernen, schenkte ihm einen kleinen präkolumbianischen Kopf (...).“
über ganz Hollywood zur Bahn: Vgl. Brief an Minna Beckmann-Tube vom 13.06.1950, vgl. Max Beckmann Briefe III: „Nach 2. Stunden über Chaplins Atelier und Hollywoodhauptstr. zur Bahn gerast.“ Max Beckmann besuchte also vor der Weiterreise Charlie Chaplins Studio in der LaBrea Avenue in Hollywood.

Mathilde Q. Beckmann Agenda, 10.06.1950. Agenden 1941–1950 (1942 nur als Transkription), Privatbesitz;Max Beckmann Briefe. Herausgegeben von Klaus Gallwitz, Uwe M. Schneede und Stephan von Wiese unter Mitarbeit von Barbara Golz. Band III: 1937–1950. Bearbeitet von Klaus Gallwitz unter Mitarbeit von Ursula Harter. München/Zürich 1996, Nr. 993;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1950, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1950/4376