11. Jun 195011. Juni 1950

Caramel Calif. / <Abends b. Frau> / <Schaps> [Kringel] / Arrivato = o Gods – o – – o – – / 52 Stunden Bahnfart. – – – – / In der Nacht von Hollywood bis / San Franzisco gut aber tottief geschlafen. / Morgens 8 Uhr in S. Fr. – Kein Neumayer – / schwere Entscheidungen schließlich doch 50 $ Taxi / endlos müde noch 3 Stunden Auto- / fahrt auf herrlichen <Bay> highway. / Nach lächerlichen Suchen nach Haus Schaps / endlich gefunden – Niemand zu Hause!! / zu früh. – Wankend <gnädigst> im Hotel / aufgenommen – weiter wankend, Brief- / tasche verlierend Q rennend wieder zurück / – endlich Frau Schaps bac – großes / Geschrei <und> (bis jetzt) reizende / Wohnangelegenheit . . . . viele Blumen / sehr seltene „Ledertulpe“. Abendessen <Hotel> / <Paloma> zurück Frösche quaken Hunde / bellen, Pazifique rauscht, wieder at home / für 3–4 Wochen

Caramel: Carmel.
Schaps: Die Witwe Katie Schaps war die Vermieterin der Beckmanns in Carmel. Sie wohnte in der Carmelostreet. Über sie schreibt Max Beckmann in seinem Brief an Minna Beckmann-Tube vom 13.06.1950, vgl. Max Beckmann Briefe III: „meine Wirtin (...), die sich schließlich als jüdische Hautvolé emigration Dame aus Liebermann u. Cassirerkreisen entpuppte und ich durfte unter einem schrecklichen Damenreiterportrait vom Stilleben‚mosson’ aus der Berlinersecession und einem Liebermannbiergarten zur Ruhe gehen (...).“
Arrivato: it Angekommen.
8 Uhr in S. Fr.: Ankunft morgens um 8 Uhr in San Francisco.
kein Neumayer ... Taxi ... Bay highway: Alfred Neumeyer sollte sie in San Francisco von der Bahn abholen, kam aber nicht. Vgl. Brief von Neumayer an Max Beckmann vom 11.06.1950, erhalten in den Archives of American Art, Washington, D. C.: „Ich hoffe Sie waren nicht zu enttäuscht, daß ich Sonntag morgen nicht an der Bahn erschienen bin.“ Daher mussten Mathilde Q. Beckmann und Max Beckmann für die dreistündige Autofahrt von San Francisco nach Carmel ein Taxi für 50 $ nehmen. Die Fahrt führte auf der Schnellstraße an der San Francisco Bay und der Monterey Bay entlang.
lächerlichen Suchen: In Carmel gibt es bis heute keine Hausnummern, vgl. Mathilde Q. Beckmann in: Tagebücher 1940–1950, S. 435.
Schaps bac: en back, Katie Frau Schaps kam zurück.
Hotel Paloma: Vermutl. handelt es sich um das La Playa Hotel, vgl. Eintrag vom 01.07.1950.
at home: en zu Hause.

Max Beckmann papers, 1917–1954, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington, D. C.;Max Beckmann. Tagebücher 1940–1950. Zusammengestellt von Mathilde Q. Beckmann. Herausgegeben von Erhard Göpel. München/Zürich (durchgesehene Neuausgabe) 1987, S. 435;Max Beckmann Briefe. Herausgegeben von Klaus Gallwitz, Uwe M. Schneede und Stephan von Wiese unter Mitarbeit von Barbara Golz. Band III: 1937–1950. Bearbeitet von Klaus Gallwitz unter Mitarbeit von Ursula Harter. München/Zürich 1996, Nr. 993;

Besitzer: Max Beckmann, Tagebuch 1950, New York, Columbia University, Rare Book and Manuscript Library
Zitierhinweis: Max Beckmann Tagebücher, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv
Permalink: https://www.beckmann-tagebuecher.de/1950/4484